Wem gehört Papa? Ein erster Bericht

von: Hagen
, 04.11.2007, in: Familie und Beruf

Alle Studien belegen es: Väter wollen mehr Zeit für ihre Kinder. Alle Erfahrungen sagen es: Die Arbeitswelt ignoriert diese Wünsche nach Kräften. Bei der Tagung, "Wem gehört Papa?"  im ZDF suchten fast 300 Teilnehmende nach Wegen, wie auch Männern der Balanceakt zwischen Beruf und Familie gut gelingen kann.

Angesichts von Globalisierung, Wettbewerb und Gewinnerwartung fordern die Betriebe, dass ihre Mitarbeiter rundum verfügbar sind. Der Chef erwartet Leistung, die Kinder Zuwendung, die Ehefrau Unterstützung - so findet sich Papa zwischen allen Stühlen wieder.

"Massive Ambivalenzen in den Köpfen der Frauen machen es den Vätern zusätzlich schwer", sagt Forscher Peter Döge. "Frauen sagen sie wollten aktive Väter - finden diese dann aber unmännlich." Viele Männer seien unfreiwillig kinderlos, weil sie nicht die richtige Partnerin fänden, fährt Döge fort. Man habe sich während der letzten 30 Jahre in der Gesellschaft immer nur gefragt was Frauen wollen und dabei übersehen, dass sich das Männerbild fundamental verändert habe.

Der DGB beteiligte sich als Mitveranstalter, weil auch er im Hinblick auf die Väter noch erheblichen Handlungsbedarf in Sachen Familienfreundlichkeit in den Unternehmen sieht. Die Betriebs- und Männerseelsorger des Bistums berichteten, dass das Thema in den Betrieben und in Gesprächen unter Männern zunehmend Gewicht erhält.

Stefan Becker von der Gesellschaft berufundfamilie kennt die Turbo-Väter, die nach einem 12-Stunden-Tag mit dem schlechtesten aller möglichen Gewissen nach Hause rasen, um wenigstens noch die letzten Sätze der Gute-Nacht-Geschichte vorlesen zu können. "Auch Väter haben ein Vereinbarkeitsproblem", bringt Vaterforscher Peter Döge das Problem auf den Punkt.

Das Thema wird erst langsam ein öffentliches. Es ist aber ein drängendes, denn solange diese Frage für sie nicht geklärt ist, wollen Männer keine Kinder. Nicht nur Frauen sind heute zunehmend kinderlos - Männer bleiben derzeit in noch größerer Zahl ohne Nachwuchs. Und in den Unternehmen ist es drängend, weil das nicht lange gut gehen kann: wenn die Ansprüche der Arbeit und die Ansprüche der Familie kollidieren.

Das ZDF hat darum vor drei Jahren als eines der ersten Unternehmen ein internes Väterprojekt gestartet, das die Arbeitnehmer in Sachen Vereinbarkeit unterstützen soll. Eine Kindertagesstätte auf dem ZDF-Gelände und flexible Arbeitszeiten tragen seit Jahrzehnten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Mainzer Sendeanstalt bei.

Arbeitswelt muss aktive Väter akzeptieren

Die Tagungs-Teilnehmer in Mainz waren sich schnell einig: Die Gesellschaft braucht aktive Väter, weil ohne ihr Engagement Partnerschaft und Familie heute nicht mehr funktionieren. Der Rollenwandel, von Frauen gefordert und von immer mehr Männern gewollt, geht einher mit einer neuen positiven Wertschätzung und Aufwertung der Familie. Nun muss die Arbeitswelt dies nachvollziehen und väterfreundlich werden. An Modellen und Erkenntnissen mangelt es dabei nicht.

Holger Schwannecke vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) verwies auf die Familienfreundlichkeit kleiner Handwerksbetriebe und auch der Personalchef der BASF, Hans-Carsten Hansen, bestätigte, dass das Thema mehr und mehr in Betrieben angekommen sei. Stefan Körzell, der Vorsitzende des DGB Hessen/Thüringen forderte, dass ökonomischer Druck nicht länger väterfreundliche Maßnahmen verhindern dürfe. Staatssekretär Gerd Hoofe aus dem Bundesfamilienministerium und Staatssekretär Christoph Habermann vom Arbeitsministerium Rheinland-Pfalz verwiesen beide darauf, dass Familienpolitik auf der aktuellen politischen Agenda derzeit Spitzenrang inne hat.

Papa-Monate für Väter ein Erfolg

"Die Papa-Monate nach dem neuen Elternzeitgesetz zeigen Erfolg", sagt Väterforscher Döge. Schon mehr als verdoppelt hat sich der Anteil der Väter, die sich ums Baby kümmern. Allerdings ist es eine Steigerung auf niedrigem Niveau: 8,5 statt 3,5 Prozent (2006) der Väter sind es nun, das Elterngeld mit Gehaltsniveau macht es möglich. Auch mit der Milliardeninvestition zum Ausbau der Kinderbetreuung verbessert die Politik die Rahmenbedingungen für Familien deutlich. Flankiert werden Gesetze und Geld durch Projekte wie "Erfolgsfaktor Familie", das in der Wirtschaft für mehr Familienfreundlichkeit wirbt und sich neuerdings verstärkt der Sache der Väter annimmt.

In Workshops berieten und diskutierten die Tagungs-Teilnehmer Väter-Initiativen und Best-Practice-Modelle aus einer Reihe von Firmen. "Tiefgreifend wirksam wird erst das Zusammenwirken aller Akteure und die Erkenntnis der Unternehmen, dass die einst vor allem zur Frauenförderung entwickelten familienfreundlichen Maßnahmen für die Väter nicht nur wichtig sind, sondern sich auch rechnen", so Döge. Dass sie das tun, konnten Experten nachweisen. Nun sei es höchste Zeit, dass diese Einsicht auch zum Handeln führt.

Denn Familie dürfe von den Erfordernissen des Arbeitsmarktes nicht abhängig werden. Das Kindeswohl verlange, dass Elternschaft Wertschätzung und Unterstützung erfahren und Vätern wie Müttern müsse es möglich sein, Leben und Arbeiten nach menschlichen Maßstäben zu verbinden. Diese Position von Kardinal Lehmann ist ebenso Konsens wie die Erkenntnis, dass Kinder ihre Väter brauchen. Was nun noch fehlt sind vätersensible Geschäftsleitungen, Führungskräfte, Betriebs- und Personalräte überall im Land.